Feierlichkeit zum 198. Nationalfeiertag Perus in Berlin

Ansprache des Botschafters von Peru in Deutschland, S.E. Elmer Schialer, anlässlich dieser Feierlichkeit

S.E. Herr Elmer Schialer, Botschafter von Peru.

Sehr verehrte Vertreter der Deutschen Bundesregierung, sehr verehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages, Exzellenzen, liebe Kollegen, sehr verehrte Mitglieder des diplomatischen Korps, señores Representantes del pueblo Q’ero Totorani, queridos compatriotas, meine Damen und Herren,

heute feiern wir mit großer Freude, Leidenschaft und Begeisterung den 198. Jahrestag der Unabhängigkeit unseres geliebten Vaterlandes und des Anfangs der Republik.

Ich danke Ihnen herzlichst, dass Sie heute, an diesem schönen Tag mit ziemlich tropischen Temperaturen, Ihren Weg zu uns gefunden haben, um zusammen das große Fest Perus zu feiern. In einem offenen Land, das tausende von Peruanerinnen und Peruaner willkommen geheißen hat. Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich entschlossen haben, es zu ihrer zweiten Heimat zu machen und zu dem sie mit ihrer Arbeit, ihrem Einsatz und ihrer Kreativität beitragen. Sie, liebe Landsleute, bauen auf diese Weise jeden Tag die Brücken der Freundschaft und des Verständnisses, die die Beziehungen zwischen Peru und Deutschland auszeichnen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Unsere bilateralen Beziehungen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Herzlichkeit und gegenseitigem Verständnis aus, die das Ergebnis von Gemeinsamkeiten in Grundsätzen und in fundamentalen Werten sind. Diese haben die Abstimmung gemeinsamer Positionen in wichtigen Punkten der internationalen Agenda ermöglicht, sowohl im UNO-Sicherheitsrat, als auch in wichtigen regionalen Organisationen und Themen wie der Pazifik-Allianz oder der schwierigen Lage in Venezuela, die uns alle trifft und große Sorgen macht.

Mit viel Optimismus stellen wir fest, dass sich diese enge Durchdringung nicht nur im politischen Diskurs oder im gemeinsamen Handeln auf globaler Ebene widerspiegelt, bei Stichwörtern wie Klimawandel, Migration oder Bekämpfung des Drogenhandels, sondern sich in konkreten Taten auf der bilateralen Ebene zeigt.

Vertreter der Q’ero Totorani

Ich werde nun keine detaillierte Darstellung der Geschehnisse seit unserem letzten Nationalfeiertag vornehmen; ich erlaube mir lediglich, darauf hinzuweisen, dass die Liste des Erreichten nicht gerade kurz ist. So möchte ich vermeiden, dass Sie müde werden und dass der Pisco Sour warm wird.

Zwei grundlegende Elemente umrahmen und charakterisieren unsere Beziehungen im Jahr 2019: Die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts; und die Lateinamerika-Karibik-Initiative – kurz LaKaI – die Ende letzten Mai stattgefunden hat.

Alexander von Humboldt, der preußische Adlige, der sich vorgenommen hatte, die Harmonie des Universums zu finden, d.h. die Wechselwirkungen zwischen all den vielfältigen und exuberanten Ausdrucksformen der Natur zu entdecken, die er in seiner Heimat Berlin, in Brandenburg, Sibirien, Zentralasien, den Vereinigten Staaten und natürlich in Lateinamerika und der Karibik gefunden, klassifiziert und studiert hat. Er bedeutet für die überwiegende Mehrheit der Lateinamerikaner die umfassende Charakterisierung des Deutschseins. Obwohl von Humboldt als Grand Seigneur der Naturwissenschaft des Neunzehnten Jahrhunderts gilt, ist die Tatsache wenig bekannt, dass er auch frühzeitig die negativen Folgen des Kolonialismus, der Segregation und der Sklaverei, die er auf seinen Reisen durch unsere Region fand, erkannte und kritisierte, worüber er Karl IV. von Spanien mutig und objektiv informierte. Damit antizipiert er in gewisser Weise die Vordenker der amerikanischen Unabhängigkeit. Heutzutage wird seine Person zu Recht gefeiert, denn er war nicht nur einer der wegweisendsten Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts, sondern legte auch eine grundlegende Leitlinie für das Verständnis der Welt fest: ihr fortwährend vernetzter und systemischer Charakter.

Die Lateinamerika-Karibik-Initiative, vorangetrieben durch Bundesaußenminister Heiko Maas, identifizierte sehr konkrete Bereiche für den Ausbau und die Vertiefung der Beziehungen dieser Region zu Deutschland in Fragen wie Klimawandel, Handel und Investitionen, wissenschaftliche Zusammenarbeit und Berufsausbildung, Stärkung der Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Darüber hinaus wurde in diesem Zusammenhang das Frauennetzwerk „Unidas“ gegründet, das die Frauenrechte in der Region fördert.

Erlauben Sie mir, an dieser Stelle an die Worte von Bundesaußenminister Maas zu jenem Anlass zu erinnern: [ich zitiere] „Lateinamerika ist eine der am stärksten demokratisierten Regionen der Welt. Mit vielen Staaten teilen wir ein wichtiges Fundament gemeinsamer Werte. Wir ergreifen darum die Initiative, um unsere Beziehungen neu zu beleben und anzukurbeln. Es geht darum, unsere Partnerschaften fester und unsere Kooperation effektiver zu machen. Wir wollen auf der Weltbühne zusammen für Demokratie, Menschenrechte und faire Regeln einstehen. Wir wollen dazu beitragen, dass unser geteiltes Wertefundament weiter wächst.“ [Zitat Ende]. Wir beabsichtigen, uns in zwei Jahren in Lateinamerika wieder zu treffen, um die erzielten Fortschritte zu überprüfen und damit eine sehr vielversprechende Dialogplattform zwischen Deutschland und unserer Region zu konsolidieren.

Innerhalb des allgemeinen Rahmens, der durch diese beiden Leitmotive – von Humboldt und die LaKaI – vorgegeben ist, darf ich mit Genugtuung feststellen, dass wir auf der bilateralen Ebene unserer Beziehungen seit Juli letzten Jahres einen großen Schritt vorangekommen sind. In Peru erhielten wir Besuche von Mitgliedern der Parlamentariergruppe Anden-Staaten des Deutschen Bundestages, von mehreren Staatssekretären und hohen Vertretern der Bundesregierung sowie wichtigen Vertretern der deutschen Wirtschaft.

Nach Deutschland reisten eine Reihe peruanischer Minister, Vizeminister und Vertreter der Regionalregierungen Perus sowie Wirtschaftsdelegationen und peruanische Geschäftsleute, die unsere Wirtschafts- und Handelsbeziehungen weiter ausbauen wollen.

Aber obwohl unser Handelsvolumen im letzten Jahr auf etwa 2 Milliarden Euro angewachsen ist, haben Peru und Deutschland eine wichtige und spannende Aufgabe vor sich: Die wesentliche Erhöhung der deutschen Investitionen in Peru. Einige Schätzungen beziffern den Gesamtinvestitionsbestand bereits auf fast eine Milliarde Euro, welcher sowohl von Deutschland als auch von Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen in anderen Ländern der Region stammt. Die Chancen für deutsche Investitionen in Peru sind jedoch nach wie vor sehr bedeutend und attraktiv, insbesondere in den Bereichen Elektrizität, erneuerbare Energien, saubere Technologien, Biotechnologie, Infrastruktur und Kommunikation.

Peru hat sich durch seine Bemühungen in den letzten 25 Jahren als sicherer und attraktiver Investitionsstandort mit einer soliden Demokratie und einer freien Marktwirtschaft positioniert.

Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass der Tourismus eine weitere jener Aktivitäten ist, die unsere beiden Länder immer näher zusammenbringen. Im vergangenen Jahr ist es Peru erstmals gelungen, den dritten Platz unter den Ländern Südamerikas einzunehmen, die die meisten deutschen Touristen empfangen. Im Jahr 2018 empfing unser Land 4,4 Millionen Touristen aus aller Welt, darunter 81.000 Deutsche, von denen etwa 20 % die nördlichen Regionen Perus besuchten. Es ist immer noch eine bescheidene Zahl, aber wir hoffen, dass sie in den kommenden Jahren um 15 % wachsen wird.

Die Teilnahme Perus an Deutschen Weltklasse-Messen wie FRUIT LOGISTICA, BIOFACH oder ITB – und das nur in diesem Jahr, ohne Berücksichtigung der nächsten Ausgabe der ANUGA – hat sich vervielfacht und erweitert. Mehr als 480 peruanische Firmen haben an ihnen teilgenommen, vertreten durch etwas mehr als tausend peruanische Unternehmerinnen und Unternehmer. Geschäftsverträge mit einem Volumen von mehr als 270 Millionen Euro wurden geschlossen, Tendenz steigend. Die wachsende peruanische Präsenz ist das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen der peruanischen Privatwirtschaft und des öffentlichen Sektors, und der hervorragenden und zuverlässigen Geschäftsbeziehungen, die peruanische Geschäftsleute mit ihren deutschen Kollegen und Partnern ausbauen konnten.

Auch im kulturellen Bereich haben wir uns bemüht, unser Land in die hart umkämpfte und vielfältige deutsche und Berliner Kulturszene einzubringen. Wir haben zur Verwirklichung, Organisation und Förderung von Vernissagen, Museumsausstellungen, Filmwochen, Konferenzen und Gesprächen über verschiedene herausragende Persönlichkeiten der peruanischen Geschichte und Literatur – sowohl zeitgenössische als auch klassische – sowie zu künstlerischen Ausstellungen und vielem mehr beigetragen. Es ist uns auch gelungen, erneut ein Festival der Gastronomie durchzuführen, und wir beabsichtigen, es auch in diesem Jahr wieder zu veranstalten. Ich möchte hier darauf hinweisen, dass wir ohne die ausgezeichnete Zusammenarbeit, sowohl mit der Bundeskunsthalle Bonn, dem Instituto Cervantes und dem Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin, als auch mit verschieden privaten Institutionen, nicht in der Lage gewesen wären, all diese Aktivitäten durchzuführen. Wir bedanken uns vielmals bei diesen Einrichtungen.

Meine Damen und Herren, liebe Landsleute

es sind nun fast 20 Jahre vergangen, seitdem Peru wieder auf den Pfad der Demokratie zurückgekehrt ist. In all diesen Jahren ist unsere Wirtschaft weiter gewachsen. Die Armut konnte halbiert werden. Sicherlich gibt es in Peru immer noch große Ungleichheiten. Sie zu reduzieren und zu beseitigen ist eine Herausforderung – und ich würde sie betonen als DIE Herausforderung – für alle Peruaner. Daher ist es unerlässlich, die nationalen Institutionen zu stärken und Korruption und Straflosigkeit konsequent zu bekämpfen. Die juristische Maxime „Niemand steht über dem Gesetz“ muss in Peru endlich für alle Realität werden, unabhängig von ihrem Platz in der Gesellschaft, ihrer Rolle, ihrem Amt oder ihrer Tätigkeit.

Mit großer Hoffnung erkennen wir heute neue Kräfte und die große Entschlossenheit unserer Regierung, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass die so schädliche Korruption, die uns alle betrifft und die die Zukunft unserer nächsten Generationen stiehlt, gemeinsam und verfassungskonform beendet werden kann.

Ich bin davon überzeugt, dass wir die Korruption aus die Politik, Justiz und der peruanischen Gesellschaft insgesamt verbannen werden, genauso wie es uns gelungen ist, den mörderischen Terrorismus oder die große Wirtschaftskrise der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu überwinden.

Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass Deutschland an unserer Seite stehen und Peru bei der Bewältigung der Herausforderungen der Gegenwart unterstützen wird, sei es bei der humanitären Migration, der Verteidigung der Menschenrechte, der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, der Armutsbekämpfung, der Stärkung unserer Institutionen und natürlich bei der Beseitigung der Korruption.

Bevor ich zum Abschluss dieser kurzen Worte komme, möchte ich gegenüber den Institutionen und Einzelpersonen, ohne deren engagiertes Sponsoring und deren Unterstützung diese Feierlichkeiten nicht hätten stattfinden können, unsere Anerkennung und unsere größte Dankbarkeit auszudrücken.

Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei der AURUBIS AG, der Premium Foods GmbH, dem Hotel Maritim proArte Berlin, dem Catering Service Rocoto Sour, dem Wein- und Spirituosenhandel IMEX Südamerika, dem Großhandel Spanische Quelle und dem Restaurant Naninka Picantería. Außerdem gilt mein besonderer Dank Herrn Pfarrer Franklin Zea von der Spanischsprachigen Katholischen Mission Berlin.

Ich wünsche Ihnen alle einen frohen 28. Juli!
Einen frohen Nationalfeiertag!
Es lebe Peru und es lebe Deutschland!
Kausachun Peru! Kausachun Deutschland!
Prost, Salud!

Schreibe einen Kommentar